Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Dienstag 24.01.2017

Öffnungsprozess

des BHDS


Presseerklärung vom 12.12.2016

Der Öffnungsprozess der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, angestoßen nach der Debatte um einen muslimischen Schützenkönig, nimmt konkrete Formen an.
Mehr Verantwortung für die Basis, ein klares Bekenntnis zu den christlichen Wurzeln und Traditionen, aber umfassende Bereitschaft zum Miteinander mit Hinzugekommenen aus anderen Kulturkreisen.
Das sind die wichtigsten Punkte eines Orientierungsrahmens, der jetzt dem Hauptvorstand vorgestellt wurde und im Frühjahr zur Abstimmung steht.

Eine breite Mehrheit im Schützen-Parlament gilt als sicher.
Bundesschützenmeister Emil Vogt aus Leverkusen, der die interne Profildiskussion vorantreibt, will dem kirchlichen Schützenverband „eine zeitgemäße und verständliche Grundausrichtung“ geben, ohne die „Zugehörigkeit zur katholischen Kirche in Frage zu stellen“.
Die lokalen Bruderschaften sollen frei entscheiden können, wer aufgenommen wird und damit auch Schützenkönig werden kann.
Danach soll auch die Mitgliedschaft von Nichtchristen in Zukunft möglich sein, sofern diese sich glaubhaft zu den Zielen der Bruderschaften bekennen.
Auch aus der Kirche Ausgetretene müssen nicht weiter fürchten, die katholische Schützengemeinschaft verlassen zu müssen.

Dem Präsidium des katholischen Schützenverbandes geht es darum, „durch gegenseitigen Respekt, Ehrlichkeit und Toleranz ein vertrauensvolles Miteinander mit allen gesellschaftlichen Kreisen zu ermöglichen“.
Gemeinsam mit Bundesschützenmeister Vogt hat Monsignore Robert Kleine, Köln, als Bundespräses die 1300 christlichen Schützenbruderschaften angeschrieben und um Zustimmung für den Orientierungsrahmen gebeten.
Kleine bezieht sich dabei auf Empfehlungen des Papstes.

Wie Franziskus die Kirche geöffnet habe, müssten auch die Bruderschaften aus ihrem brüderlichen Selbstverständnis heraus, auf andere, auch Andersgläubige zugehen.
Gleichzeitig fordert das Schützenpräsidium von seinen Führungskräften ein klares Bekenntnis zur Kirche ein.
„Wer Angehörige anderer Religionsgemeinschaften aufnehmen will, muss wissen, wofür er selbst einsteht“, sagt Vogt.
Ihm ist – auch mit Blick auf Zuwanderung und Aufnahme von Flüchtlingen - wichtig, dass die christlichen Schützen „jeden Menschen als Geschöpf Gottes anerkennen und ihm mit Achtung begegnen.“

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften sieht Identität und Integration als grundlegende Zukunftsfragen.
Der Schützenverbund, dem über die örtlichen Bruderschaften und Vereine eine rund 400.000 Menschen umfassende Schützenfamilie angehört, ist ein anerkannter katholischer Verband und versteht sich als Glaubensgemeinschaft.
Deshalb verbindet das Präsidium des Bundes die Profildiskussion auch mit der Frage, wie der Glaube öffentlich gelebt werden kann und welche Form des Glaubensbekenntnisses von den Schützen erwartet wird.
Der Schützenverband orientiert sich dabei an aktuellen Entscheidungen der Deutschen Bischofskonferenz.

Vogt: „Wir dürfen nicht päpstlicher sein als der Papst.“ Aber: „Wir müssen glaubhaft sein.“
Einig sind sich die Bruderschaften in ihrem Willen zur Integration.

Damit folgen sie Emil Vogt, der „jede Form der Ausgrenzung ablehnt“. Eine Sorge aber beherrscht den von Allen gewollten Öffnungsprozess.
Vogt: „Wir dürfen bei aller Liberalität unser eigenständiges, christliches Profil nicht verlieren.“ Der Bundesschützenmeister nimmt für das Präsidium auch Stellung zur Frage homosexueller Könige.
Er stellt klar: „Die sexuelle Orientierung eines Menschen gehört zu seiner Persönlichkeit und Identität und ist für die Aufnahme in eine Bruderschaft unerheblich.
Homosexuelle Schützenbrüder und Schützenschwestern haben daher selbstverständlich alle Mitgliedsrechte und Mitgliedspflichten, einschließlich der Möglichkeit, die Königswürde zu erringen.“

Ein früherer Beschluss des Schützenparlaments, der homosexuellen Schützenmajestäten untersagt, mit dem Lebenspartner als Königspaar aufzutreten, soll förmlich aufgehoben werden.
Angewandt wird der Beschluss schon länger nicht mehr.
Der Öffnungsprozess, der den Bruderschaften größere Freiheiten gibt, von ihnen aber auch mehr Eigenverantwortung verlangt, wird von Monsignore Kleine als „bereichernd“ wahrgenommen.
Im Schreiben an die Mitgliedsvereine bedanken sich Bundesschützenmeister Emil Vogt und Bundespräses Robert Kleine: „Wir glauben, dass der inhaltliche Austausch über unsere Thesen ein Gewinn für die Gesprächs- und Diskussionskultur in unserem Bund gewesen ist.“

Die Schützenspitze will mit dem Grundsatzpapier die altehrwürdigen Bruderschaften zukunftsfähig machen.
Dabei wird in Kauf genommen, dass es wohlmöglich Unterschiede in der Geschwindigkeit der Anpassung gibt - zwischen Stadt und Land, zwischen liberalen oder eher konservativen Schützengemeinschaften.