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OLS in Melick 2026

Ein Fest der Werte -  in einer wertloseren Zeit


Melick - ein Ort in der Nederländischen Provinz Limburg -  bereitet sich auf das OLS 2026 vor. Das größte Schützenevent in NL, über 130 Schützengilden nehmen teil - ein Fest der Tradition, der Gemeinschaft und der Identität.
Doch während die Schützen sich auf ihr großes Jahr einstimmen, verändert sich die Welt um sie herum rasanter als je zuvor.
Der Wertewandel ist überall spürbar - nicht nur bei unseren westlichen Nachbarn.

Ein Symbol dieses Wandels ist die Schließung der Sint‑Andreaskerk in Melick.
Das Gotteshaus, über Jahrhunderte Mittelpunkt des Dorflebens, wird künftig zu Wohnraum umgebaut.
Der Grund: Priestermangel, hohe Unterhaltskosten und sinkende Besucherzahlen. Was früher selbstverständlich war – Kirche, Dorf und Schützenwesen als Einheit – verliert seine Basis.
Für viele Schützen ist das mehr als ein baulicher Einschnitt.
Es ist das Ende eines Ortes, an dem Gemeinschaft, Glaube und Tradition ineinandergriffen.

„Mit der Kirche verschwindet ein Stück Identität“, sagt Har van Melick, seit Jahrzehnten Schütze und Küster. „Wir verlieren nicht nur Mauern, sondern Erinnerungen.“
Deken Ed Smeets sieht darin zugleich eine Herausforderung: „Die Kirche mag an institutioneller Kraft verlieren, aber die Werte, die sie verkörperte – Nächstenliebe, Verantwortung, Zusammenhalt – bleiben.
Und sie leben im Schützenwesen weiter.“

Denn während die Kirche ihre Räume verliert, bleibt das Schützenwesen ein Ort gelebter Werte. Es steht für Verlässlichkeit, Respekt und Verantwortung – Tugenden, die in einer Zeit von Geiz‑Ideologien und Konsumrausch zunehmend verblassen. Die Gesellschaft sucht nach Orientierung, die Jugend nach Sinn. Wenn die Kirche verstummt, müssen andere das Feuer weitertragen.

Was die Kirche einst als Sünde und Laster bezeichnete – Geiz und Gier – wird heute oft als gesellschaftliche Normalität verkauft.
„Geiz ist geil“ wurde zur Ideologie einer Zeit, die Preis vor Wert stellt.
Gier zeigt sich in absurden Szenen: Schlägereien bei der Einführung einer neuen Swatch‑Uhr europaweit  oder Tumulte in Düsseldorf bei der Verteilung kostenloser T‑Shirts.
Kleine Auslöser, große Eskalationen – ein Spiegel einer Gesellschaft, die Orientierung verliert.

Gleichzeitig merken wir, dass das alte Mantra „höher, schneller, weiter“ an sein Ende kommt.
Immer billiger, immer mehr – am Ende verlieren alle.
Der Staat stößt an seine Grenzen, weil zu große Toleranz nicht zu mehr Verständnis führt, sondern zu Zerwürfnissen.
Viele übersehen, dass Freiheit ohne Verantwortung keine Freiheit ist, sondern Rücksichtslosigkeit.
Wer Regeln ignoriert, entzieht dem Sozialstaat die Grundlage. Das System hungert aus, wird kannibalistisch, gerät unter Sparzwang.
Protest entsteht, politischer Druck wächst, weil Schuldige und schnelle Lösungen gesucht werden – doch das eigentliche Problem liegt tiefer: im Wertevakuum.
Im fehlenden sozialen Miteinander. 

Die Kirche - als Träger und Multiplikator christlicher Werte - verliert Mitglieder, Räume und Bindekraft. Familienstrukturen bröckeln. Der Staat kann nicht alles auffangen.
Und doch braucht jede Gemeinschaft Werte, sonst zerfällt sie.
Gerade die Generation Z spürt das deutlich. Sie sucht nach Sinn, nach Halt, nach Zugehörigkeit – nicht nach Moralpredigten, sondern nach echten, gelebten Haltungen.

Genau hier beginnt die entscheidende Frage: Wenn die Kirche an Kraft verliert – wer hält dann die Denkweisen, die Haltungen, die Werte lebendig, die eine Gemeinschaft tragen?
Über Jahrhunderte waren es die Schützen, die Verantwortung, Verlässlichkeit, Zusammenhalt und Respekt nicht nur predigten, sondern lebten.
Sie haben das Feuer weitergegeben, nicht die Asche verwaltet.

Doch wie gelingt das in einer Zeit, in der traditionelle Ankerpunkte verschwinden?
Oder erleben wir – gerade durch diesen Verlust – irgendwann ein Wiederaufleben der Kirche, weil Menschen erkennen, dass eine Gesellschaft ohne Werte nicht bestehen kann?

Das Schützenwesen steht damit nicht am Rand des Wertewandels, sondern im Zentrum einer gesellschaftlichen Neuorientierung.
Es kann zum Ort werden, an dem Menschen wieder lernen, was Gemeinschaft bedeutet – oder zum letzten Warnsignal, das zeigt, was verloren geht, wenn Werte nur noch als Spaßfaktor betrachtet werden.

Rene Krombholz