Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Donnerstag 20.08.2020

Die Entstehung der Schützengilden

Um zu verstehen wie die Schützengilden entstanden und wie sie sich entwickelten,


müssen wir uns geistig in die Zeit des Mittelalters zurückbegeben.

 

 

 

 

 

 

Dieses erstreckt sich ungefähr vom Ende der Völkerwanderung (5Jh) bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts.

Etwa um 500 beginnt unter König Chlodwig I., der mit seinem Volk geschlossen zum Christentum übergetreten war, der Aufstieg des Fränkischen Reiches. Bald wurden die Überreste des Weströmischen Reiches und andere germanische Völker integriert und damit eine Vorherrschaft in West- und Mitteleuropa begründet.
Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellt die Krönung Karls des Großen zum römischen Kaiser durch den Papst an Weihnachten des Jahres 800 dar.

Nach seinem Tod 814 zerfällt das fränkische Reich allmählich. Aus seiner westlichen Hälfte entsteht das spätere Frankreich, während sich aus der Osthälfte später das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ entwickelt. Die Bevölkerung beginnt zu wachsen, Handwerk und Handel werden gefördert.
Trotzdem war das Mittelalter keine ruhige und schon gar keine friedliche Zeit. Wir befinden uns hier in der Zeit der Kreuzzüge, ein Krieg jagte den anderen, Raubzüge großer Völkerstämme waren an der Tagesordnung.

Daher begannen die Herrscher jener Zeit ihr Reich gegen Überfälle einfallender Reiterscharen zu sichern und die ersten Städte zu errichten.
Die Ritter sicherten mit ihren Burgen das ländliche Gebiet während die gerade entstehenden Städte selbst für ihre Sicherheit sorgen mussten.
Dafür erhielten die Städte Privilegien und Freiheiten.

In der befestigten Stadt waren die Menschen nun geborgen, mussten allerdings selber für ihre Sicherheit sorgen.. So übernahmen die Kaufmannsgilden und Handwerkerzünfte einzelne Verteidigungsabschnitte der Mauer. Die Wehr der Stadt wurde eine Bürgerpflicht. Die Waffen wurden meist im städtischen Zeughaus gelagert, sie unterlagen also der Kontrolle durch den Stadtrat. Um nun den Umgang mit den Waffen , meist der Bogen oder später der Armbrust, zu üben, traf man sich regelmäßig. So entstanden die Schützengilden.

Das Landleben sah anders aus: die zahllosen Bauern und Landwirte waren durch die plündernden Heerscharen ständig gefährdet und stellen sich unter den Schutz von Herrschern oder auch Kirche. Wer sich zu dieser Zeit nicht selbst schützen und versorgen konnte sondern in Abhängigkeit von jemandem kam, galt als unfrei.
So konnten die Bauern auf ihrem Land leben, waren aber verpflichtet, Abgaben und Frondienste (Fron: Herr) zu leisten. Die Unfreiheit äußerte sich auch darin, dass die Bauern schollengebunden waren, also ohne Erlaubnis des Herrn nicht wegziehen konnten.

Vielfach flüchteten sie in die Städte um ein neues Leben in Freiheit zu beginnen. So kam es zu Auseinandersetzungen mit den vormaligen Fronherrn die oft versuchten die „entflohenen“ wieder einzufangen. Dieses wurde in der Regel durch die damaligen Stadtparlamente verwehrt, hier entstand der Spruch „Stadtluft macht frei“

Im Mittelalter waren die Menschen streng nach Ständen (Adel, Klerus, Bürger, Bauern) gegliedert. In den Städten lebte man ebenfalls in getrennten Berufsgruppen, den Zünften und Gilden. Durch Gründung von Schützengilden und gemeinsames Schießtraining kam es zu einem Zusammenschluss der übergreifend war. Egal ob Zunft oder Gilde, nur unbescholtene Bürger durften hier hinein, was auch für die Stadtparlamente galt. Letztlich war es eine mehr oder weniger große Anzahl von Bürgern mit gutem Ruf die dann im Parlament oder der Gilde die Freiheitsrechte der entflohenen Frondienstler verteidigten und für deren Freiheit kämpften.

Die Katastrophe kam im 14. Jahrhunderts mit der Pest, dem „Schwarzen Tod“ der fast der Hälfte der europäischen Bevölkerung das Leben kostetete.
Die allgemeine Krisenstimmung wurde verstärkt durch Missernten und Hungersnöte sowie die Krise des Papsttums und gipfelte in Judenverfolgungen, Bauernaufständen und Revolten in den Städten.
Aufstände, Pest, Bauernkriege, Kreuzzüge – die Heimat fast ohne Männer, Städte und Länder im Chaos.
Heimatlose Landknechtsgruppen durchzogen bald raubend und plündernd das Land raubten, brandschatzten und quälten die Bauern bis zum Tode. Die vormals ehrenhaften Ritter waren vielfach zu plündernden Raubrittern geworden.
Und wieder waren es die Zünfte und Schützengilden die sich in diesen Zeiten der Not noch enger zusammenschlossen um wenigstens eine gewisse Ordnung aufrecht zu erhalten.
Sie kümmerten sich nicht nur um den Schutz der Heimat und Beseitigung der Pestleichen sondern schufen auch Statuten um ein soziales Miteinander und gemeinsames Überleben zu ermöglichen.


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