Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Sonntag 30.04.2017

Schützenfrauen

(Ansprache von Brudermeister Heinz Sudhoff zum Auftakt des 57. Bundesköniginnentag in Verl – Großer Zapfenstreich am Samstag, 19. Mai 2012)

Hochachtungsvoll,
ein Wort, dass aus der Mode gekommen ist, dass nicht mehr zeitgemäß scheint.
Aber unsere Zeit, unsere Welt, braucht sie so dringend wie eh und je, die hohe Achtung von Mensch zu Mensch, die Achtsamkeit für unsere
Lebensgrundlagen, zusammengefasst: Die Hochachtung für die Schöpfung- und den Schöpfer!

Heute und morgen, zum 57. Bundesköniginnentag des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, stellen wir die Hochachtung vor der Frau im Schützenwesen in den Mittelpunkt.
Zu ihren Ehren, verehrte Bundeskönigin Anke Stahl, wird hier der Große Zapfenstreich intoniert. Er gilt ihnen ganz persönlich!

Aber, sie nehmen ihn auch stellvertretend für alle Frauen im Schützenwesen entgegen, sei es als Schützenschwester oder Sportschützin. als Königin oder Throndame, als Frau, die sich einfach an der Schützentradition erfreut, als Frau, die das weiße Hemd ihres Mannes bügelt oder seine Orden festnäht. Die letzte Aussage kann Unmut erregen. Aber wohl kaum eine Frau wird etwas gegen diese Tätigkeit haben. Anders sieht das aus. wenn die Frau im Schützenwesen auf diese und ähnliche Funktionen reduziert wird.

Es entspricht unseren Höflichkeitsregeln, unserem Knigge, der Frau die Tür zu öffnen, ihr in den meisten Fällen den Vortritt zu lassen. Es ist ein gutes Zeichen der Ehrerbietung.
Das reicht aber nicht aus. Wichtiger noch ist es, der Frau Türen nicht zu verschließen, wie dies seit Menschengedenken geschehen ist. Es ist noch gar nicht so lange her. dass der Frau erstmals das Wahlrecht eingeräumt wurde.
Das heißt, dass es ihr von uns Männern zugestanden wurde, obwohl wir gar kein Recht hatten, es zu verweigern.

Vieles hat sich verändert, verbessert. Aber es muss sich auch noch vieles ändern, in unserer Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, in unserer Kirche. Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat im Vorfeld des derzeit laufenden Katholikentages in Mannheim gesagt, das die Rolle der Frau in der Kirche neu zu bedenken sei. Eine hoffnungsvolle Ansage.
Auch im Schützenwesen, im Bund, in unserer eigenen Gilde gibt es in dieser Hinsicht noch einiges tun.

Voller Hochachtung zu sein, gilt aber nicht nur für Frauen, es gilt für alle Menschen, für Kinder und Jugendliche, für Behinderte und Kranke, für Ältere, für die Menschen in reichen wie in armen Regionen, in Demokratien wie Diktaturen.

Und überhaupt: Alle Menschen, gerade aber auch wir Christen, sind daran zu messen, wie hoch unsere Achtung vor dem Anderen und vor Gott ist.
In diesem Sinn darf ich Sie nun alle als Gäste wie als große Schützenfamilie herzlich willkommen heißen. Stellvertretend für Sie alle begrüße ich namentlich unseren Bundeskönig Thomas Stahl.
Sehen sie, damit sind nun auch wir als Männer ins Spiel gekommen...
So lassen sie uns nun gemeinsam den 57. Bundesköniginnentag 2012 in Verl feiern.
Ich unterschreibe meine Aussagen für unsere St. Hubertus-Schützengilde und rufe Ihnen zu Hochachtungsvoll