Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Dienstag 24.03.2020

150 Jahre DSB - Feier in Köln

Kultur und Gegenkultur? 


Bei Sonnenschein – im Sommer 2011 nicht so alltäglich – feierte der DSB in Köln das 150 jährige Jubiläum. Schützenvereine und Landesverbände aus ganz Deutschland waren zum großen Stelldichein in die Domstadt gekommen.
Trotz spärlicher Informationen im Vorfeld hatte ich mich auf ein großes Fest gefreut. 150 Jahre eines Verbandes in dieser Größenordnung, das ist schließlich etwas!

Alfred Zoller (RSB) hatte regelmäßig über Facebook ein Fahnenschwenken publiziert, als wir 1 eine Stunde vor Beginn auf die fast leere Domplatte kamen (von Schützen einmal abgesehen) und nach Ort und Zeitpunkt fragten, niemand konnte etwas dazu sagen. (Weder Infostand, nach RSB Mitarbeiter)
Eine halbe Stunde vor Beginn des Pontifikalamtes kam die Antwort in Form von Musik und Fahnen heranmarschiert. Die wenigen Menschen die sich hier eingefunden oder zufällig anwesend waren, wirkten eher irritiert, schauten sich aber diese sehenswerte Darstellung an und klatschten auch Beifall. Schade eigentlich, so mein Gedanke.


Das Pontifikalamt im Kölner Dom wurde von Weihbischof Heiner Koch, dem Bundespräses des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zelebriert.
Zahlreiche Ehrengäste, wie auch der Hochmeister des BHDS Dr. Emanuel Prinz zu Salm Salm waren vertreten.

Die Broschüre zum Pontifikalamt, in welcher die Stadt Köln als „Schützenstadt“ präsentiert wird, machte mich stutzig. Auf stolze 3.000 Mitglieder im Schützenverein wird darin verwiesen, das sind bei der Millionenstadt Köln lächerliche 0,3% der Bevölkerung. (Dormagen meldet 40% der männlichen Bevölkerung, das benachbarte Düsseldorf hat bei 580.000 Einwohnern über 16.000 Schützen in der IGDS vereint!

Schützenstadt Köln… mag sich auch daran festmachen das hier die Neugründung des DSB erfolgte, die Gründung des Ordens vom Hl Sebastian.
Aber bitte wo ist der Bezug zum Heute?
Was machen Schützen und deren Verbände heute noch? Wo ist die Daseinsberechtigung? Das fragen sich die Unwissenden in diesem Land und finden keine Antwort. Das ist fatal in der derzeitigen desolaten Situation der Vereine überhaupt.

Der DSB selber brachte kürzlich eine Meldung heraus:

• Herausragende Leistung in Richtung Allgemeinwohl

Insgesamt engagieren sich in den Schützenvereinen Deutschlands Mitglieder in über 273.000 ehrenamtlichen Positionen, davon rund 155.000 auf der Vorstandsebene und knapp 118.000 auf der Ausführungsebene.

Im Durchschnitt ist jeder Ehrenamtliche 17,7 Stunden pro Monat für seinen Verein tätig. Bundesweit ergibt sich daraus eine Arbeitsleistung von rund 4,8 Mio. Stunden, welche in den Schützenvereinen jeden Monat erbracht wird.

Wertschöpfung 72 Millionen Euro pro Monat!
Daraus resultiert bundesweit eine monatliche Wertschöpfung von rund € 72 Mio. bzw. eine jährliche Wertschöpfung von rund € 864 Mio. durch ehrenamtliches Engagement in den Schützenvereinen.
(Es ist zu beachten, dass hier noch nicht diejenigen Leistungen der freiwilligen Helfer einberechnet sind, die sich bei gesonderten Arbeitseinsätzen unentgeltlich beteiligen - Vereinsfeste, Sportveranstaltungen, Renovierungen, Putzaktionen etc.).


Welcher Verband, welche Organisation außer den Schützen kann mit solch positiven Zahlen aufwarten?
Solche Meldungen hätten in diese Broschüre oder Meldungen an die Presse gehört.

Im Nachhinein habe ich im Internet gegoogelt: 150 Jahre DSB in Köln. Unter den ersten 50 Treffern nicht ein einziger Verweis auf einen Zeitungsbericht oder dergleichen. Medieninteresse gleich Null?

So war es nicht verwunderlich das dieser wirklich bunte und sehenswerte Schützenfestzug nur wenige Zuschauer anlockte. Diese konnten – deutlich sichtbar – auch recht wenig damit anfangen. Zu der Stadt – Land Problematik kommt hier noch viel Unwissenheit dazu. Folge versäumter Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahrzehnten.
Von Innen heraus – wenn Verantwortliche mit Organisation oder Teilnahme an einem solchen Event beschäftigt sind, mag alles recht gut aussehen. Von Außen, mit Blick auf die Zuschauer wird manches fragwürdiger.


Der DSB mag vorwiegend sportlich orientiert sein – zum Event in der Rheinischen Metropole und am (sehenswerten) Festzug nahmen aber überwiegend Traditionsschützen teil. Schließlich geht es doch auch darum, positive Meldungen aus dem Bereich der Schützen einzubringen um dem Negativ-Image etwas entgegenzustellen.

Das passiert leider nicht – und so sind die erbrachten Leistungen in Richtung Allgemeinwohl in dieser Hinsicht auch kaum etwas wert. Schade eigentlich, nein – besser gesagt schlimm.

Aus dieser Unkenntnis heraus resultieren dann Meinungen wieman sie ( in Massen) einen Tag später im Internet als Kommentare fand:

• Wer will denn schon als normal gestrickter junger Mensch seine wenige freie Zeit mit alten grantelnden Suffköppen in einer zigarettenverqualmten Muffbude verbringen? Obendrein sind das ja auch noch Leute, die ihre Potenz nach der Größe ihres Autos und ihres Waffenschranks bemessen. Nein danke!


• ...hat schießen was mit Sport zu tun ? Diesen Uniformfestischisten mit ihren albernen Hüten und Fantasieorden gehören entwaffnet.

• … als Schütze darf sich der Kleinbürger endlich mal wichtig fühlen.

• Ja, das Marschieren in Reih und Glied mit Gewehr auf dem Rücken, das ist des Deutschen und des CDUlers Liebstes! Aber wenn dann wieder ein Jugendlicher den Waffenschrank seines Schützenvereinsdaddys aufschließt, um ein Dutzend seiner Schul"kameraden" abzuknallen, dann schreit die CDU-Mischpoke wieder: "Achgottchen, achgottchen, warum ist die Welt nur so schlecht, wir müssen die Gesetze verschärfen, das haben wir nicht gewollt." Und der ganze Driss wird dann auch noch unter "Traditionspflege" verniedlicht

• Welcher junge Mann möchte vor seinen Kumpels schon in einer merkwürdigen Uniform erscheinen und sich der Lächerlichkeit preisgeben. Wenn man die gesellschaftliche Entwicklung betrachtet, wird es solche Vereine in Großstädten bald nicht mehr geben. Wer sich den Entwicklungen nicht anpassen kann stirbt aus, einen Verlust für die deutsche Kultur kann ich nicht wirklich erkennen.

Während sich im Internet kaum Zeitungsberichte oder positive Kommentare zu diesem Event fanden, gab es zahlreiche Meinungen dieser Art.

Passend dazu fand zeitgleich auf der Domplatte ein Zombie-Treffen statt und fand absolut gleichwertige Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung. Wohin geht unsere Kultur? Diese Frage stellte sich bei dem Anblick traditionell marschierender Schützen neben blutverschmierten jungen Menschen die sich zum Teil in deren Reihen mischten.
Was legen Schützenvereine und Verbände auf die Waagschale, wenn es darum geht Werte und Traditionen zu erhalten, was publizieren sie ???

Wie es anders gehen kann, zeigte eine Woche zuvor das kleine holländische Dorf Nieuw Dijk. Eine kleine Schützengilde hatte Fahnenschwenker eingeladen, an einem Versuch zum Weltrekord im Fahnenschwenken teilzunehmen.
750 Teilnehmer hätte man benötigt, durch monatelange Pressearbeit, regelmäßiger Aussendung von Mails, waren schließlich fast 1.100 Fahnenschwenker gekommen. Ein Symposium mit hochrangigen Vertretern des Schützenwesens wurde anberaumt, Thema: „was bedeutet Schützenverein Heute“ und fand bei der Presse ebenso großen Anklang wie die Veranstaltung selber. Zeitungen, TV und Radio berichteten intensiv.
Nachmachen erwünscht !
Problem bei der Sache: das nächste Jubiläum feiert der DSB erst in 25 Jahren…


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