Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Donnerstag 13.06.2019

Schützen im III.Jahrtausend

Ein Manifest für das Schützenwesen


Schützen im III. Jahrtausend:

Das Schützenwesen hat heute mit allen seinen Facetten eine Menge zu bieten und vorzuweisen

1. Tradition und soziales Miteinander in der Gegenwart

Die Schützenvereine in Deutschland leisten weit mehr als sich nur mit der Organisation eines einfachen Sportangebots zu begnügen.
Unter der Vielzahl an Vereinszielen sind besonders wichtig:

• Vermittlung von Werten, wie unter anderem Fair Play oder Toleranz
• gleichberechtigte Partizipation von Mädchen/Frauen und Jungen/Männern
• Sport für ältere Personen zu ermöglichen

Dieses zu tun ist tief in der Tradition verankert, es hat demokratische Grundprinzipien (jeder kann sich beteiligen). Das Vertreten von Grundwerten im gemeinschaftlichen Miteinander hat hohe Bedeutung und wird am ehrenamtlichen Engagement sichtbar.
Die Schützenvereine und Gilden überstanden die Jahrhunderte, Kriege, Hunger- und Krisenzeiten und sind bis in die heutige Zeit dem sozialem Miteinander verbunden.

Der Glaube an Grundwerte und an das Miteinander hat die Zeiten überdauert.
Das verdient besonders gewürdigt zu werden!

2. Soziales Engagement in Richtung Allgemeinwohl

Man unterscheidet der Herkunft nach:

  • Sportschützenvereine, die sich rein wettbewerbsorientiert gegründet haben.
  • Schützenvereine, aus den Bürgerwehren entstanden oder in der Neuzeit gegründet.
  • Schützenvereine, Bruderschaften die aus den Bet- und Notgemeinschaften des Mittelalters entstanden.

Letztere sind bis heute eng an die Kirche gebunden und religiös orientiert.
Sportschützen agieren weitgehend Wettkampf orientiert während bei den beiden Letztgenannten soziales Miteinander und Wirken in Richtung Allgemeinwohl im Vordergrund stehen.
Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, geschieht hinter den Kulissen der Schützenvereine Einiges, was diesem sozialen Gedanken entspricht.

2a)  Was bedeutet das?

  • Wie zu Urzeiten gibt es auch heute noch eine finanzielle Nothilfegemeinschaft zwecks Soforthilfe für die Hinterbliebenen.
  • Viele der Kompanien kümmern sich um Kranke und Hilfsbedürftige, viele sind ehrenamtlich tätig. (z.B. Hospiz-Arbeit, Arbeit in sozialen Einrichtungen, Spenden und Sammlungen)
  • Auch die Altenpflege darf nicht vergessen werden (z. B. werden Senioren eingeladen, Veranstaltungen ins Leben gerufen, Senioren persönlich betreut)
  • Regelmäßig werden von den Kameraden große Summen für soziale Projekte gesammelt und gespendet (z.B. Armentafeln, Kindergärten, Martinsumzüge usw.)
  • Vielfach wird intensive Jugendarbeit betrieben (z.B. werden Projekte beim RSB gewürdigt, es gibt Jugendtage)

Die sozialen Leistungen, die von den Schützen bundesweit erbracht werden, sind immens, aber vielfach unbekannt:

2b)Engagement: Herausragende Leistung in Richtung Allgemeinwohl

Ein zentrales und angebotsübergreifendes Gemeinwohl-Moment stellt der Beitrag der Schützenvereine zum freiwilligen Engagement und Ehrenamt dar.
Insgesamt engagieren sich in den Schützenvereinen Deutschlands Mitglieder in über 273.000 ehrenamtlichen Positionen, davon rund 155.000 auf der Vorstandsebene und knapp 118.000 auf der Ausführungsebene (z. B. Trainer, Übungsleiter, Schieds- und Kampfrichter).

Im Durchschnitt ist jeder Ehrenamtliche 17,7 Stunden pro Monat für seinen Verein tätig.
Bundesweit ergibt sich daraus eine Arbeitsleistung von rund 4,8 Mio. Stunden, welche in den Schützenvereinen jeden Monat erbracht wird.
Hieraus resultiert eine monatliche Wertschöfpfung von 72 Millionen €uro die durch ehrenamtliche Leistungen erbracht wird.
(Quelle: Sportentwicklungsbericht im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) und Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB))

2c)  Integration im weiteren Sinne

Integration ist ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens. Hier werden unterschiedliche gesellschaftliche Bedürfnisse aufgegriffen und umgesetzt. Die Voraussetzungen dafür sind: Respektvoller Umgang und wertschätzendes Miteinander. Dieser Herausforderung stellen sich die Schützenvereine, wenn sie mit ihren Aktivitäten an der Verzahnung unterschiedlicher sozialer Schichten und Interessengruppen arbeiten.

Integration gesellschaftlicher Bedürfnisse

Vor dem Hintergrund der Internationalisierung der Bevölkerung werden auch die Leistungen der Schützenvereine im Hinblick auf die Integration von Migranten immer wichtiger zur Beurteilung ihrer Gemeinwohlbedeutung.

Im Durchschnitt haben 5 % der Mitglieder der Schützenvereine einen Migrationshintergrund.
Dies entspricht insgesamt rund 75.500 Menschen mit Migrationshintergrund, die in den rund 15.000 Schützenvereinen integriert sind
(Quelle: Sportentwicklungsbericht DSB).

Diese Verzahnung hat in den Augen der breiten Öffentlichkeit am ehesten in der Gestaltung von Regularien und Statuten ihren Schwerpunkt. Angesprochen ist hierbei der (Leistungs-)Sport als Bereich, in dem Athleten unterschiedlicher Nationalität regelkonform ihre Wettkämpfe austragen (siehe Schießsport).

Weniger vordergründig ist der gemeinschaftsfördernde Aspekt europäischer Vereinigungen, der der Verständigung und Erarbeitung gemeinsamer Zielsetzungen auch in sozialer Hinsicht dient.

3. Schützenwesen

Im historischen Sektor ist die „Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen" (EGS) europaweit tätig. Hier werden nicht nur ideelle Ziele wie die Erhaltung europäischer Werte verfolgt, sondern auch die internationale Zusammenarbeit und das Zusammenwachsen Europas durch Treffen, Tagungen und dem Europaschützenfest vorangetrieben. Auch im sozialen Bereich wird hier viel geleistet und Projekte unterstützt.

Der EGS gehören derzeit rund 6 Millionen europäischer Schützen an. Auf nationaler Ebene sind es 1,6 Millionen Schützen beim „Deutschen Schützenbund" DSB (vorwiegend sportlich orientiert) und auf der Traditionsseite ca. 500.000, die beim „Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft" (BHDS) gemeldet sind. Hinzu kommen noch ein Reihe kleinerer Verbände sowohl im sportlichen (z. B. Bund Deutscher Sportschützen (BDS), Bund der Militär- und Polizeischützen (BdMP), Deutsche Schießsport-Union (DSU)) wie auch im traditionellen Bereich, sowie Schützen, die keinem Verband angehören. Fachleute geben die Zahl aktiver Schützen mit ca. 2,5 Millionen an.

4. Schießsport
Schießsport kann als Breitensport oder auch als Hochleistungssport betrieben werden und bietet den Interessierten die Möglichkeit, sich in einem sportlichen Rahmen gerne auch wettkampforientiert zu messen.
Unabhängig von der absoluten körperlichen Fitness ist Schießsport auch für Ältere oder Menschen mit Handycaps geeignet.
Das muskuläre Maximalleistungsvermögen oder die gerade im Alter nicht mehr so stark ausgeprägte Beweglichkeit und Gelenkigkeit spielen dabei keine Rolle.

4a)  Gesundheit - Rehabilitation

Schießsport ist ein Spiel mit der Paradoxie, in der Anspannung vollkommen entspannt zu sein und bietet den Menschen, die in den Augen der anderen bei den klassischen Ball- und/oder Laufsportarten (mit maximaler Impuls- und Ausdauerbelastung) als unsportlich gelten würden, eine sportliche Alternative. Wichtiger als physische oder physiologische Voraussetzungen ist hier die mentale Fitness oder die seelische Ausgeglichenheit.

Daher ist der Schießsport hervorragend geeignet für Menschen in der Rehabilitation z.B. nach Burnout-Behandlungen (-> therapeutisches Bogenschießen).

4b)Generationenübergreifender Wettkampf

Darüber hinaus erlaubt der Schießsport das „Sich messen mit anderen“ unabhängig von deren körperlichen Voraussetzungen (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer) oder ihrem Lebensalter, denn für jeden Körper gibt es das geeignete Sportgerät – das Schießen und die Trefferauswertung erfolgen in Abhängigkeit von der jeweiligen Schießdisziplin und nicht in Abhängigkeit vom Schützen. Das gilt übrigens auch für Behinderte, z.B. Rollstuhlfahrer, die im Schießsport wie in keiner anderen Sportart voll integriert sein können.

Zudem gibt es kaum Vorstellungen davon, was es bedeutet, auf internationaler Ebene im Schießsport erfolgreich zu sein. Das liegt unter anderem daran, dass die athletischen Voraussetzungen für das erfolgreiche Schießen vollkommen anders sind als in den Disziplinen, in denen es z.B. um den Einsatz von Maximalkkraft geht.

Schießsport betreiben bedeutet zudem, sich auf lebenslanges Lernen und Verbessern der eigenen Schießtechnik einzulassen. Gerade vor dem Hintergrund der besonderen Anforderungen an Fein- und Feinst-Koordination gilt es, im Training fortwährend an diesen Punkten zu arbeiten um hier die notwendige Stabilität zu erreichen.

4c)  Behindertensport

Der Schießsport ist sehr gut zur Integration von Behinderten geeignet, da sich die körperlichen Anforderungen gut auf die jeweilige Zielgruppe anpassen lassen. So gibt es neben einigen wenigen speziellen Disziplinen im Deutschen Schützenbund, die im Gewehrbereich explizit für Behinderte (Versehrte) ausgeschrieben sind, im Deutschen Behindertensportverband eine eigene Abteilung „Sportschießen“. Über diesen Weg ist sogar eine Teilnahme an den Paralympischen Spielen möglich. Hier gibt es eine ganze Reihe von Disziplinen in den Bereichen Gewehr, Pistole und Bogen, die je nach Behinderung in verschiedene Klassen eingeteilt sind.
Auch in anderen Schießsportverbänden ist die Teilnahme von Behinderten am Schießen zumindest auf den unteren Ebenen oftmals ohne Probleme möglich.

Auf diesem Wege haben die Behinderten nicht nur die Möglichkeit der Teilhabe an diesem Sport, sondern beim „wettkampflichen“ Messen mit anderen Behinderten oder sogar Nichtbehinderten die Möglichkeit über sportliche Erfolge ein positives Selbstwertgefühl zu entwickeln.

5. Schützen als Wirtschaftsfaktor

Nicht nur die sportlich orientierten Schützenvereine sind mit Bedarf an Kleidung, Geräten, Anlagen und Zubehör ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Kleidung, Uniformen und Vereinsbedarf jeglicher Art werden im traditionellen Bereich benötigt.

Volksfeste, große Schützenfeste, meist in ehrenamtlicher Arbeit von Schützenvereinen organisiert, „spülen“ große Summen in den Stadtsäckel der jeweiligen Kommune.
Die größte Kirmes am Rhein wird von den St. Sebastianus Schützen Düsseldorf organisiert und verzeichnet mit 4 Millionen Besuchern einen durchschnittlichen Umsatz von rund 55 Millionen Euro, hinzu kommen Verzehr und Übernachtungen der anreisenden Besucher, so dass von Fachleuten geschätzte 30-33 Millionen Euro allein im Steuersäckel landen.

Wertschöpfung 72 Millionen Euro pro Monat !
Zusätzlich (siehe unter 2b) resultiert bundesweit eine monatliche Wertschöpfung von rund € 72 Mio. bzw. eine jährliche Wertschöpfung von rund € 864 Mio. durch ehrenamtliches Engagement in den Schützenvereinen.
(Es ist zu beachten, dass hier noch nicht diejenigen Leistungen der freiwilligen Helfer einberechnet sind, die sich bei gesonderten Arbeitseinsätzen unentgeltlich beteiligen - Vereinsfeste, Sportveranstaltungen, Renovierungen, Putzaktionen etc.).

Dabei engagieren sich etwa 386.000 Mitglieder als freiwillige Helfer bei diesen gesonderten Arbeitseinsätzen im Verein. Werden diese freiwilligen Helfer zu den Personen mit Ehrenamt addiert, so ergibt sich eine Gesamtzahl von rund 660.000 Ehrenamtlichen in Schützenvereinen (Quelle: Sportentwicklungsbericht DSB).

6. Jugend- und Nachwuchsarbeit

In Schützenvereinen wird der Jugend ein interessanter Sport bzw. ein interessantes Hobby geboten. Sie wird an den Sport von erfahrenen Vereinsmitgliedern herangeführt und lernt den verantwortungsvollen Umgang mit dieser Sportart. Es werden Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und innere Ausgeglichenheit trainiert – Attribute, die bei der heutigen Jugend leider vielfach zu wenig gefordert und gefördert werden.

Daneben spielen Team- und Mannschaftsgeist eine entscheidende Rolle. Die Ausbildung der Vereinsjugend erfolgt gezielt durch erfahrene und verantwortungsbewussteVereinsmitglieder. Die Jugend lernt das soziale Miteinander und erwirbt hierüber ein entsprechendes positives Sozialverhalten

7. Marschmusik

Die Marschmusik ist unabdingbar mit dem Schützenwesen verknüpft. Ohne Marschmusik wäre kein Schützenumzug vorstellbar. Hier unterscheiden wir in Spielmannszüge (Tambourcorps), Fanfarenzüge und Musikkapellen. In Spielmannszügen werden die historischen Instrumente wie Marschtrommel, Flöte, Lyra und in Fanfarenzügen die Fanfare, Horn und Landsknechtstrommel gespielt.
Diese Musikformationen entwickeln darüber hinaus auch ein erweitertes Repertoire in Heimatliedern und Unterhaltungsmusik. Hierbei geht es um die Weitergabe und Pflege historischen Liedguts und Marschmusik sowie dem Erlernen eines Instrumentes. Bei Kindern und Jugendlichen fördert das Erlernen eines Musikinstrumentes die Konzentrationsfähigkeit, das Wahrnehmungsvermögen, Konzentration aber auch die sozialen Fähigkeiten beim Spielen in der Gruppe.

8. Reitsport

Das Reiten ist eine Sportart, die mit dem Pferd als Partner ausgeübt wird. Frauen und Männer sind bei dieser Sportart gleichgestellt. In Reitvereinen werden, je nach Veranlagung und Alter, mitDressur, Springen und Vielseitigkeit, verschiedene Reitsportdisziplinen angeboten, trainiert oder erlernt. Reiten erfordert und fördert zugleich die körperliche Fitness und den verantwortungsvollen Umgang mit dem Partner „Pferd“ als Lebewesen.

7. Fahnenschwenken

Fahnenschwenken ist eine alte, historische Sportart, die eng mit dem Schützenwesen verbunden ist. Beim Fahnenschwenken werden den Jugendlichen die verschiedenen Arten mit den jeweilige Figuren und deren Bedeutung beigebracht. Dabei lernen sie, neben dem geschichtlichen und historischen Hintergrund, im praktischen Teil, die sportliche Koordination im Zusammenspiel mit dem Sportgerät.

8. Schützenfest

Alle vorgenannten Bereiche feiern einmal jährlich das gemeinsame Schützenfest. Auch dieses hat Tradition seit dem Mittelalter, diente in früheren Zeiten als Manöver der Bürgerwehren und Gilden und war Wettkampf der besten Schützen. Die Sieger dieser früheren Turniere wurden von den Herrschern reich beschenkt, genossen Ruhm, Steuerfreiheit und waren die Vorläufer heutiger Schützenkönige.

Diese Tradition hat sich in abgewandelter Form bis heute erhalten, wird in grenznahen Regionen sogar länderübergreifend, beim Europaschützenfest sogar international gefeiert und trägt somit einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Miteinander und völkerverbindenden Gedanken bei. In ländlichen Gebieten ist das Schützenfest eines der herausragenden Ereignisse, in Städten und Stadtteilen verbindet es Generationen und trägt zur kulturellen Vielfalt bei.

Schützen für das III Jahrtausend

Die wirklichen weltweiten Aufgaben der Zukunft wie Ernährung, Umweltschutz, Klimawandel, Frieden, Energiegewinnung und gleichmäßiger Wohlstand werden wir nur global lösen können.  Hierzu ist es notwendig, dass man sich einander mit Respekt und Achtung begegnet und auch die Sichtweise des gegenüber in Betracht zieht, um eine gemeinsame Lösung zu finden. (Win-Prinzip)

Schon heute leistet die EGS (Europäische Gemeinschaft historischer Schützen) einen großen Beitrag zu einem vereinten Europa. Hier werden Traditionen, Sitten und Gebräuche der angeschlossenen Verbände und Nationen bewahrt und schützend unterstützt.

Auch heute noch hat das Schützenwesen wichtige soziale Aufgaben in der modernen Gesellschaft. Es zeigt Profil indem es Verantwortung für die Allgemeinheit in den verschiedensten Bereichen übernimmt, so wie es seit Jahrhunderten geschehen ist.

EPILOG
Schützen im III Jahrtausend
Diese Darstellung des Schützenwesens stammt aus dem Pilotprojekt „Qualitätsmanagement im Fachverband / externe Kommunikation beim RSB“ und wurde zusammen mit Kai Bolten (Projektleiter), Dr. Alexander Hufnagel, Dr. Thomas Randhofer, Peter Lange, Rene Krombholz erarbeitet.
Wir bedanken uns beim rheinischen Schützenbund für die Genehmigung zur Publikation.

 

 

 


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