Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Mittwoch 13.09.2017

SCHUSS und TOOOR ! Eigentor?

Veränderte Anforderungen an Vereine in Sport und Brauchtum


In vielen Vereinen (egal ob Sport oder Brauchtum) stehen die Verantwortlichen vor entscheidenden und existenziellen Fragen.

  • Immer weniger Mitglieder sind bereit aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen.
  • Menschen verlassen die Vereine selbst nach Jahrzehnten der Mitgliedschaft.

Die Frage nach dem „Warum?“ wird unterschiedlich beantwortet. Die häufigsten Begründungen für vorgenannte Entscheidungen lauten
a) zu viel Arbeit, zu viel Stress im Beruf, keine Zeit!
b) alles zu teuer geworden, kein Geld hierfür.

Natürlich mag es finanzielle Notlagen geben, meist werden hierfür aber Lösungen gefunden, z.B. Aussetzung der Beitragszahlung.
In der Regel ist diese Begründung aber wohl eher eine Entscheidung der Prioritäten: die Wertigkeit für bestimmte Dinge hat sich (im Auge des Betrachters) geändert und die Vereinsmitgliedschaft ist in dieser Liste nach unten gerutscht.  

Dass sich der Berufsalltag stark verschärft hat, ist bekannt.
Die Arbeits-, oder Geschäftszeiten haben sich stark geändert, Mitglieder können häufig an bestimmten Vereinsaktivitäten nicht mehr teilnehmen.
Auf der anderen Seite bietet eine menschlich funktionierende Gemeinschaft hervorragende Möglichkeiten um vom Berufsstress abzuschalten, die Freizeit zu genießen. Auch hier ist es eine Frage der Priorität, die zu Entscheidung führt: was will ich eigentlich?  Diese Entscheidung wird umso dringender, je mehr finanzielle und zeitliche Aspekte bei den Betroffenen an Bedeutung gewinnen.

Meiner Meinung nach, ist es hier aber von wesentlicher Bedeutung, wie sich das Mitglied in dieser Gemeinschaft fühlt.
Dieses ist (auch) eine Frage vernünftiger sinnvoller Führung.
Es geht mir bei diesem Gedanken nicht darum Führung oder verschiedene Führungsstile zu kritisieren, vielmehr um das Bewusstmachen verschiedener Entwicklungen.

Bis Ende der 80er Jahre konnten viele Menschen noch in kleineren oder mittleren Betrieben „Führung“ und deren Struktur erfahren, daraus lernen und Brauchbares übernehmen. Heute, in der global vernetzten Welt, gibt es Führung meist nur als Weitergabe von Aufgaben und (leider) als Druck. Menschliches Miteinander, Kommunikation und Wertschätzung (wesentliche Punkte guter Führung) sind auf der Strecke geblieben.
Bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass viele Menschen die heute im Vereins-, wie aber auch im Arbeitsleben, mit Führung betraut sind, vor einem Wissensvakuum stehen.
Nicht umsonst gibt es hierzu unzählige Bücher, Seminare, Blogs die weiterhelfen sollen.
So richtig lernen kann man Führung indes nicht, vieles ist Frage der eigenen Einstellung oder aber auch Lebenserfahrung.

Verein bedeutet außerberuflichen Einsatz, ehrenamtlicher Tätigkeit, hier ist kein Geld zu verdienen.
Menschen die sich hier einsetzen geht es um andere Dinge: sich einzubringen, etwas zu bewirken, etwas (meist im Sinne einer Lebenseinstellungen) und dieses in einer Gemeinschaft zu teilen.
Auch Freude und Spaß im Kreise Gleichgesinnter zu finden.
Diesen Menschen ist Anerkennung fast immer wichtiger als Geld!

  • Hier gilt es näher hinzuschauen:
  • was ist diesem Vereinsmitglied wichtig? Welche Ziele verfolgt er/sie?
  • wie kann man diese Gesinnung, das Bestreben dahinter, in die Gemeinschaft einfügen?
  • kann man gemeinsame Ziele und Aufgaben finden und definieren?
  • wie kann man diese Personen sinnvoll in die Vereinsarbeit integrieren?
  • Mit welchen Aufgaben kann ich für diese Person Möglichkeiten schaffen?

Das ist der wesentliche Punkt gekonnter Führung: aus einer Gruppe verschiedenster Menschen eine motivierte Einheit zu schaffen.
„Das funktioniert selbst bei uns im Konzern nicht..“ hörte ich kürzlich. Eben! Gerade in Konzernen und großen Firmen funktioniert das nicht mehr, hier haben Großteile der Belegschaft inzwischen die innere Kündigung vollzogen.
Reinhard Sprenger, Deutschlands Führungsguru Nr.1, sagte mir einmal: „Wenn ich in den Chefetagen großer DAXunternehmen über Führung rede, ernte ich oft nur Verständnislosigkeit!“
Wie Führung funktioniert kann man hin und wieder beim Fußball erleben: wenn aus einer Loosertruppe unter neuem Trainer plötzlich eine Spitzenmannschaft wird…. Auch ohne personelle Änderungen…!

Zauberformel ist oft die „Sinngebung“ für bestimmte Ziele oder Tätigkeiten. Menschen wollen sich einbringen, sich entwickeln, etwas gemeinsam bewirken und zusammen auch Freude haben.
Waren der Stammtisch und der Frühschoppen früher noch gefragte Aktivitäten, so reicht es heute immer weniger, sich „mal auf ein Bier“ zu treffen.

„Du musst die Menschen lieben, die Du führen willst!“ sagt ein altes Lehrbuch. Soll heißen: wertschätzen können!
Der persönliche Umgang in Form von wertschätzender Kommunikation und Feedback ist immens wichtig. Natürlich kann, soll und muss auch Kritik geübt werden, Ziele müssen definiert und die Umsetzung kontrolliert werden.
Alles in Allen ist aber eine wertschätzende Kommunikation das Maß aller Dinge.

Vereinsmitglieder wollen kein Geld für ihr Engagement, aber wer möchte schon Kraft, Energie, Zeit oder auch Geld in vermeintlich sinnloses Tun investieren?
Positives Feedback ist gefragt!

Eine große Gefahr gibt es an dieser Stelle:
viele der, heute in Führungsposition Tätigen, sind meist einer hohen Belastung ausgesetzt, für welche sie zudem noch eher Kritik als Anerkennung ernten.
Oft fällt es den Betroffenen schwer, aus ihrer Sicht heraus, auch kleines oder weniger erfolgreiches Engagement entsprechend wertschätzend zu kommunizieren.

Entsprechende Dankesworte fallen meist nach Abschluss beim Rückblick auf erfolgte Aktivitäten, und werden eher listenförmig aufgezählt.
Diese „Pflichtaufgabe hat aber einen deutlich anderen Stellenwert als die persönliche, wertschätzende Kommunikation zwischendurch.

Als letzten Gedanken hierzu:
im Handwerk (in welchem ich mich bewege) sind gute Arbeitskräfte schon lange Mangelware geworden.
Hier haben die Arbeitnehmer die Auswahl und können aus einer Fülle von Betrieben wählen.
Bedeutet: hier hat sich eine Situation umgekehrt, die Unternehmer müssen sich bei den Arbeitswilligen bewerben…!


Ähnlich müssen wir heute bei der Vereinsführung überlegen…… !

Rene Krombholz