Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Mittwoch 21.04.2021

Unwahr, diskreditierend und falsch!

Düsseldorf: Eklat zwischen Schützen und DIE LINKEN


Das Vereine, auch Traditionsvereine, bei der Stadt Zuschüsse für Bauten, Renovierungen oder Aktivitäten beantragen ist ein recht normaler Vorgang. Über solche Anträge wird in der Bezirksvertretung entschieden, dass es hin und wieder Kontrastimmen gibt liegt und ist im Sinne der Demokratie.

Ungewöhnlicher ist es wenn ein Veto aus Unwissenheit erfolgt und sichtbar wird, dass der / die Politiker ihrer Informationspflicht, welche sie für eine neutrale Abstimmung brauchen, überhaupt nicht nachgekommen sind. Bedenklich aber wird es, wenn eine solche Ablehnung zudem noch beleidigende, unwahre und diskreditierende Inhalte enthält.So geschehen in einer Stellungsname der LINKEN zu einem Antrag eines Schützenvereins in Düsseldorf,der für ein Projekt einen Zuschuss von 400 € beantragt hatte.

Die Fraktion die LINKE begründet die Ablehnung mit folgendem Wortlaut:
„…wir als Fraktion DIE LINKE sind gegen diesen Zuschuss.
Gerade, wenn wir diese Art des Brauchtums der Schützen mal z.B. durch die Augen von Kindern betrachten.

Was sehen und lernen die Kinder daraus:
Uniformierte Männer, die im Gleichschritt durch die Straßen ziehen.
Dabei fließt sehr viel Bier und abends können diese Herren nicht mehr gerade gehen.
Das ganze wird begleitet von Marschmusik, die ihren Ursprung in den Kriegen des 18. und 19. Jahrhunderts hatte.
Der Höhepunkt der Schützenzüge ist dann das Schießen, also Gewaltverherrlichung durch Waffen.
Mädchen lernen, dass sie nur Begleitung sein können. Alkoholkonsum, Marschieren und Schießen ist nur was für Jungen und Männer.

Auch haben Migranten und Homosexuelle, und alles, was nicht typisch deutsch ist, hier kaum Aussicht auf Integration.
Dieses Brauchtum lässt sich kaum mehr in unserer heutigen Lebenswelt vermitteln.
Diese Dinge fördern somit nicht das gemeinsame Leben und Wohnen in unserer Stadt.
Die Bezirksvertretung ist aber für alle Einwohnerinnen und Einwohner unserer Stadtteile Repräsentant.
Von daher melden wir ein Veto an.“

Anja Vorspel und Dieter Sawalies

Die Vorsitzende der IGDS, Britta Damm, bekam von verschiedenen Seiten Kenntnis und lud die Vertreter der Linken für das bevorstehende Jubiläumsschützenfest offiziell aus. Selbst von anderen Mitgliedern der Bezirksvertretung gab es hierzu empörte Stimmen:

Antwort eines BV Mitglieds und Schütze an die LINKE:
Ich wähle bewusst den Verteiler an den die Ablehnung der Unterstützung das Bühnenbilds der Schützen gegangen ist..
Vielleicht bringt es den einen oder die andere der Mandatsträger / Mitglieder der Partei Die Linke zum nachdenken!
Es wäre  besser gewesen man hatte nur ein Veto eingelegt, anstatt zu diskriminieren, zu unterstellen oder zu verleugnen.

Ich bin erschüttert wie hier von einer  "Demokratischen Partei" Menschen differiert werden.
Vielleicht  eignet sich das Sommerloch doch dafür eine öffentliche  Diskussion über den Stellenwert der Schützen und damit des Ehrenamtes zu führen“

Ein Ratsherr der Stadt Düsseldorf (ebenfalls Schütze) antwortete wie folgt:

„ werte Kolleginnen und Kollegen im Stadtbezirk 3, in meinen Leben ist mir schon viel untergekommen, überwiegend lese ich es und denke mir mein Teil. Diesmal kann ich und will ich nicht schweigen.  Hier kann ich nur zu sagen wehret den Anfängen!

Ihr diskreditiert Menschen die sich der Tradition, der Heimat, dem Brauchtum und dem sozialen Engagement verbunden fühlen.
Schützenbrüder werden von Euch als Alkoholiker, Gewaltverherrlicher dargestellt und verunglimpft.
Ihr habt es sicherlich nicht aus Kinderaugen betrachtet sondern Ihr habt Eure persönliche Einstellung und eurer Partei zu den Schützen dargelegt.
Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Kinder begeistert sind wenn sie die Schützen durch die Straßen ziehen sehen und die Musik hören.

Schützen trinken nicht mehr oder weniger wie BV Mitglieder, Parteifunktionäre, Fußballer etc., dass da auch mal der ein oder andere einen über den Durst trinkt ist nun mal so.
Ich denke das habt ihr auch schon das eine oder andere Mal selbst getan.
Das Schießen ist ein sportlicher Wettkampf nicht mehr und nicht weniger.
Es ist analog zusehen wie z.B. Sperrwerfen, Bogenschießen oder Kugelstoßen.  Das sind alles Olympische Sportarten, wie auch das Schießen mit einem Gewehr.

Ihr schreibt Mädchen dürfen nur begleiten.
Da kristallisiert sich Eurer Nichtwissen bzw. Eure Vorurteile gegenüber dem Schützenbrauchtum heraus. In vielen Schützenvereinen gibt es auch Schützenschwestern. Sie haben die gleichen Rechte wie die Schützenbrüder. Selbst im größten und ältesten Düsseldorfer Schützenverein in der Stadtmitte ( Ausrichter der größten Kirmes am Rhein ) gab es und wird es auch in Zukunft Königinnen geben. Da meine ich nicht, dass sie als nettes Anhängsel des Königs  fungieren.       
Nein! Die Königinnen haben die Platte abgeschossen und sind somit die höchste Repräsentanz des Vereins.

Die IGDS – Interessengemeinschaft Düsseldorfer Schützenvereine e.V. in dem alle Schützenvereine in und um Düsseldorf vertreten sind haben eine Frau zur 1. Vorsitzenden gewählt.
Also Mädchen / Frauen dürfen nur begleiten?

Nun komme ich zu dem was bei mir das Fass zum überlaufen gebracht hat.
Ich bin von Kindesbeinen an Schütze in meiner westfälischen Heimatstadt und seit einiger Zeit auch im Bilker Schützenverein. Mein Coming out war kein Problem für meine Schützenbrüder. Wer böses denkt vermutet es, dem ist aber nicht so!

Auch als ich vor über 16 Jahren Mitglied der Bezirksvertretung 3 wurde und später zum höchsten Repräsentant der BV 3, sprich zum Bezirksvorsteher gewählt wurde, war meine sexuelle Orientierung nie ein Stigma. Im Gegenteil mein Lebenspartner und ich wurden bei den Schützen,  wie auch in vielen anderen Vereinen herzlich und mit offenen Armen empfangen.

Es haben sich im Laufe der Zeit, viele Freundschaften daraus ergeben. Die möchte weder mein Lebenspartner noch ich missen. In dieser Zeit habe ich auch sehr viele Schützenschwestern und Schützenbrüder kennengelernt, die Migranten sind oder ein Migration Hintergrund haben. Sie sind im Schützenwesen beheimatet und bereichern die Gemeinschaft. Sie sind ein fester Bestandteil der Schützenvereine und somit auch voll integriert.

Schützen engagieren sich in vielen sozialen und gesellschaftlichen Bereichen.
Sie sammelten Geld um die Flutopfer im Osten unserer Republik zu unterstützen.
Sie haben Partnerschaften in sozialen und caritativen Einrichtungen übernommen.
Sie engagieren sich bei der Hilfe für Flüchtlinge.
Spenden Geld an Organisationen in der Stadt und in ihren Stadtteilen wie z.B für das Kinderhospiz Regenbogenland, Cafe Grenzenlos, fifty fifty oder an das schwul lesbische Jugendzentrum Puls.

Auch da fühle ich mich von Eurer Aussage: „Diese Dinge fördern somit nicht das gemeinsame Leben und Wohnen in unserer Stadt“ vor dem Kopf gestoßen!
Wie Ihr seht könnt ihr und eure Partei noch viel von den Schützen lernen.                                
Hört auf die Schützen zu diskriminieren und  baut eure Vorurteile ab.

Wenn ich eins aus meinem aktiven Leben in der Schwulenbewegung und bei den Schützen gelernt habe, ist es die Ängste nicht zu schüren sondern aufzuklären um für ein tolerantes Miteinander zu sorgen. Vielleicht sollte mal ein Schütze einen Antrag auf finanzielle Unterstützung durch die BV 3 für ein Seminar für Mitglieder der Partei Die Linke stellen.
Das Thema des Seminars sollte lauten:  Wie gehe ich / gehen wir mit Menschen und Vereine um.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Figge
Schütze-Ratsherr- schwuler Mann- Heimatfreund - St. Martinsfreund und vieles mehr.

Fazit:

Es ist schon verwunderlich wie viel Toleranz und Respekt eine Partei, die sich genau dieses auf die Fahne geschrieben hat, bereit ist selber vorzuleben.Zudem scheint bei dieser Partei das soziale Tun der Schützen (monatlich werden bundesweit 72 Millionen € Wert Schöpfung in Richtung Allgemeinwohl erbracht) vollkommen entgangen zu sein.
Unwissenheit und widerlegbare Vorurteile sind ebenso wenig eine Empfehlung für Volksvertreter wie diskreditierende Äußerungen.
Meine persönliche Meinung: als Volksvertreter sind solche Menschen, nach meinem Demokratieverständnis, nicht tragbar.

Rene Krombholz