In Düsseldorf wird derzeit intensiv über die Zukunft der „Größten Kirmes am Rhein“ diskutiert.
Besonders in Oberkassel äußern einige Bürger Widerstand, fordern Einschränkungen oder sogar eine Reduzierung des Festes.
Die Gründe dafür sind vielschichtig: Immer wieder wird die Belastung durch Lärm in den Abend- und Nachtstunden genannt, ebenso wie der starke Besucherandrang, der den Stadtteil während der zehn Festtage spürbar verändert.
Auch Verkehrsstörungen, Staus und ein erhöhter Parkdruck spielen eine Rolle, ebenso wie die typischen Begleiterscheinungen großer Veranstaltungen – Müll, Wildpinkler und ein allgemeines Gefühl von Unruhe.
Wobei diese Entwicklungen dem gesellschaftlichen Wandel folgen, in dem Rücksichtnahme und Achtsamkeit im öffentlichen Raum zunehmend verloren gehen. Auch bei Sport oder sonstigen Großveranstaltungen oder Konzerten.
Doch gerade jetzt ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen: nicht kürzen, sondern stärken.
Die Kirmes ist kein beliebiges Event, sondern ein kulturelles Fundament Düsseldorfs – getragen von den Schützen, organisiert aus der Mitte der Gesellschaft und fest verankert in der Identität des Stadtteils.
Wer sie schwächt, schwächt nicht nur ein Fest, sondern ein Stück gelebter Gemeinschaft.
Die Kirmes ist zugleich ein enormer Wirtschaftsfaktor.
Rund 4 Millionen Besucher erzeugen jährlich ein Umsatzvolumen von 100 bis 120 Millionen Euro. *1) (Schätzung lt. KI und Google Recherche)
Gastronomie, Fahrgeschäfte, Handel und Dienstleistungen profitieren gleichermaßen.
Mit einem durchschnittlichen Pro‑Kopf‑Umsatz von 25–30 Euro entstehen zweistellige Millionenbeträge allein in der Gastronomie.
Für die Stadt Düsseldorf ergibt sich daraus ein Steuer- und Abgabenaufkommen von 3 bis 5 Millionen Euro – Gewerbesteuer, Umsatzsteueranteile, Parkgebühren, ÖPNV‑Mehreinnahmen und tourismusbezogene Abgaben.
Während der Kirmes liegt die Hotelauslastung bei über 90 Prozent, die Gastronomie verzeichnet ein Umsatzplus von bis zu 30 Prozent.
Natürlich bringt ein Großereignis auch Herausforderungen mit sich: Lärm, Verkehrsprobleme, Müll, Wildpinkler. Doch diese Probleme gibt es ebenso bei Konzerten, Sportveranstaltungen oder Stadtfesten. Sie sind Ausdruck eines gesellschaftlichen Trends, in dem Rücksichtnahme und Achtsamkeit an Bedeutung verlieren. Genau deshalb ist die von den Schützen organisierte Kirmes so wichtig.
Sie setzt bewusst einen Kontrapunkt zu dieser Entwicklung.
Das Schützenwesen steht für Werte wie Verantwortung, Ehrenamt, Gemeinschaft und Verlässlichkeit.
Diese Werte gelten heute oft als „veraltet“, sind aber aktueller denn je.
Die Schützen zeigen, dass Tradition Orientierung geben kann – und dass „alte“ Werte nicht nur bewahrt, sondern in die moderne Zeit integriert werden können.
Die Kirmes wird so zu einem Ort, an dem wirtschaftliche Stärke, kulturelle Identität und gesellschaftliche Verantwortung zusammenfinden.
Ein Fest, das nicht verkleinert, sondern verstanden und unterstützt werden sollte.
Es lohnt sich, einmal über die Herkunft solcher Feste, des Schützenwesen, dessen Werte und soziales Tun nachzudenken und zu reden - auch, - oder ganz besonders mit Kindern oder Jugend.
*1) (Schätzung lt. KI und Google Recherche)
Rene Krombholz
Grafik: Copilot
