Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Mittwoch 19.12.2018

Zwischen New York und Bilk

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii“ tönt die melodisch, sonore Stimme aus den Lautsprechern im Festzelt.


Wir schreiben das Jahr 2001, die ersten Blätter wirbeln im Oktoberwind während an diesem Samstag Abend der feierliche Grenadierball am Aachener Platz in Düsseldorf die Gäste in seinen Bann zieht. „Ich war noch niemals in New York.....“ klingt es, die Gäste im Zelt singen begeistert mit.

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da flimmerten die Horrorbilder aus New York weltweit über die Mattscheiben. Brennende Tower, Tote, Schreckensbilder ohne Ende die man wohl so schnell nicht vergessen wird. „..ich war noch niemals auf Hawaii..“ skandieren die Besucher - während immer noch hunderte oder tausende von Menschen unter den Trümmern liegen.

Ist es Gedankenlos? Ist es Pietät-, oder Geschmacklos diesen Ball so kurz nach diesen entsetzlichen Ereignissen stattfinden zu lassen? Dazu äußerte sich schon eine Woche zuvor Schützenchef Peter Paessens zu Beginn des großen Krönungsballes indem er Trauer und Mitgefühl äußerte. Vielleicht sind gerade jetzt Vereine und Gruppierungen, wie die der Schützen, besonders gefragt um Trost und Zusammenhalt zu schaffen? Das Leben geht weiter...!

So sieht es auch der Interpret an diesem Abend. Seit vielen Jahren gehört genau dieses Lied, eines der schönsten Udo Jürgens Lieder, zu seinem festen Repertoire. Und im Grunde ist es viel zu schön um jetzt nicht mehr gesungen zu werden. Der Beifall gibt ihm Recht. Vielleicht sollte gerade jetzt....!? Wir alle haben mit Schrecken erkennen müssen wie leicht Begriffe wie Frieden und Sicherheit sich in Illusion auflösen. Wissen wir, was morgen, nächste Woche, nächsten Monat sein wird? Lasst uns diesen Abend genießen, um Morgen wieder Kraft zu haben...!

"denn immer wieder geht die Sonne auf“ tönt der trostspendende Jürgens Song durch’s Zelt. Das Leben geht weiter.. jeden Morgen neu..- und wir leben heute vielleicht auch etwas bewusster. Nicht wenige Menschen sind nachdenklich geworden.

Brennende Tower, Qualm und Sirenen, mittendrin Menschen die aus Holzlatten, welche ein Schreiner eilig mit LKW vorbeibrachte, Liegetragen für Verletzte und Tote zimmern. Bilder die um die Welt gingen. Sie beeindruckten durch ihre Aussagekraft, in der Not rücken die Menschen zusammen während Standesunterschiede schwinden, alle helfen, packen an. Menschlichkeit pur!

Ist es nicht auch dieser Funke Menschlichkeit der das Schützenwesen ausmacht? Die Einen behaupten der Name „Schützen“ kommt von beschützen und leiten die Herkunft dieser Vereine von den Gilden und Bürgerwehren ab, die ursprünglich sozialen Charakter hatten, wieder andere behaupten der Name kommt vom „Schießen“ und habe lediglich nur mit Schießsport zu tun.

Der Schützenverein ist unser aller „Hobby“, für manche mehr, für andere weniger. Wir wissen aber auch: ohne Menschlichkeit und Miteinander ist jede Kompanie nur die Hälfte wert. Warum kann ein Schießsportverein nicht auch soziales Gefüge haben?

„Heute beginnt der Rest Deines Lebens“ singt Andy Rühl gerade ins Mikrofon, fange an für Ziele, Ideale und Wahrheit kämpfen heißt es sinngemäß weiter. „jetzt oder nie, und nicht irgendwann..!“

Eines meiner persönlichen Lieblingslieder, - und dies sei an dieser Stelle einmal gesagt: es gibt Dinge für mich, die mich ärgern und/oder betrüben.
Wenn z.B. meine neue Mitarbeiterin spitz bekommt das ich Mitglied im Schützenverein bin und dann nur entgeistert feststellen kann „hätte nie gedacht das Sie so viel trinken können...“ Man mag darüber lachen, bestimmt könnte das Image der Schützen nach Außen aber auch besser sein. Denn: nur Trunkenbolde sind sie nicht. Seit Jahren kämpfe ich für ein besseres Image der Schützen, oftmals fassungslos, nicht begreifend, wie sich eine Macht von weit über 14.000 Mann allein in Düsseldorf ( plus Familien!) sich so ein negatives Image aufdrücken lassen kann, - statt Chancen zu nutzen.

In einer Zeit wo gerade die Jugend wieder Halt und Gemeinschaft sucht, wo erkannt wird, daß Freiheit auch Grenzen hat und der Weg wieder konservativer wird, traditionelle Werte an Wert gewinnen, gerade hier haben die Schützen Stärken und Chancen. Die Internetpräsenz des Bilker Vereins mag Dank Rolf Hebing ein erster Schritt zu einer besseren Selbstdarstellung sein, aber als Einzelkämpfer steht auch er allein.

Internet, wofür ? fragen viele. Aber: bereits in wenigen Jahren wird das Internet über jeden Fernseher flimmern und genauso wichtig werden wie heute die Tageszeitung. Hier heißt es heute schon im Voraus zu arbeiten. Aber nicht nur dort gibt es Möglichkeiten um das Schützenwesen besser zu publizieren...

„Griechischer Wein...“ schallt es von links, der ganze Tisch singt mit und hat Grund zu jubeln. Kamerad Joachim hat aus den Händen des OB’s den begehrten Stadtorden empfangen. Verdient ! Hat sich mal jemand Gedanken gemacht wie viel Stunden Freizeit Joachim geopfert hat, um uns allen das Schießen für’s Schützenfest zu ermöglichen?

„Merci, Merci Cherie“ hallt es bis nach Draußen. „Merci für die Stunden Cherie“ Gegenüber am Tisch sitzt mein erster Hauptmann Dieter Reiher. Im Dezember haben wir Vorstandswahlen. Er wird nicht mehr kandidieren, seine Gesundheit lässt ihm keine andere Wahl. Jahrzehnte hat er für die Kompanie gelebt, das „Wie“ ist bewundernswert. Nur „Danke” zu sagen ist eigentlich zu wenig.. trotzdem Danke! . Merci, Dieter

„ Merci, Merci“ singt Andy Rühl in’s Mikrophon und das ganze Zelt singt mit!

Meine Kritiker haben Recht, wieder einmal ein ernster Artikel. Aber ich denke, wir leben (von vielen unbemerkt) in einer Zeit des Umbruch’s. Mir persönlich ist es wichtig diesen Platz in der Schützenzeitung zu nutzen und Gedanken zu vermitteln. Mittlerweile stehen meine Berichte über ein Jahrzehnt in der Schützenzeitung, die sich in dieser Zeit deutlich gewandelt hat. Was auch gut ist, denn mittlerweile wird sie gelesen! Wer aufmerksam das Geschehen in unserem Lande verfolgt, der muß sich Gedanken machen. Es stellt sich die Frage wie weit unser soziales Netz bei den drastisch steigenden Arbeitlosenzahlen noch belastbar ist. Wird es halten? Dramatische Änderungen werden kommen; und dann? Vielleicht werden wir bald Gemeinschaften wie die, der Schützen, wieder brauchen um uns gegenseitig zu helfen!?

Nein, Pessimismus ist nicht angesagt! Natürlich wird sich vieles ändern. Aber ohne das „Altes“ geht, kann nichts „Neues“ Platz bekommen. Und das „Neue“ muß nicht immer schlechter sein..... Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: bringen uns die Ereignisse in den USA – so schrecklich sie sein mögen- nicht auch wieder ein Stück näher zusammen? Bringen Sie uns vielleicht auch wieder auf den Boden der Realität? Erkennen wir vielleicht das es wichtigere Dinge gibt als Geld, Karriere und Kommerz? Nein, diese Erkenntnis muß nicht schlecht sein... ich denke die Zukunft wird anders, aber nicht schlecht(er) 

„Mit 66 Jahren..“ schallt es mir noch in Ohren als ich den Heimweg antrete. Der Abend war schön, bis 66 ist noch ein Weilchen. Aber wenn ich dann mit 66 und meiner Uschi in etlichen Jahren bei Euch sitzen und gemütlich über die guten alten Zeiten quatschen kann, das ist doch was ! Freu mich drauf und wünsch euch ..... ( was , - das bestimmt Ihr

Quelle: © Autor - Rene Krombholz - Weiterverwendung auch Auszugsweise nur mit Genehmigung von www.schuetzenwesen.eu – ausgenommen vereinsinterne Zwecke.


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