Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Dienstag 24.03.2020

Als Geiz und geil noch schlimme Worte waren

Als „geil“ und „Geiz“ noch schlimme Worte waren…..


Das Erste galt als moralisch unanständig, das Zweite als negative Eigenschaft. Es war in der Zeit, als Deutschland als Wirtschaftswunder galt. Es gab Vollbeschäftigung und Arbeitslosigkeit galt als Schande!

Wir hatten eine 48 Stunden Woche, strenge Chefs. Wir arbeiteten ohne zu murren, denn wir wussten, unser Unternehmen war auch für uns da!

Von unserem Lohn kauften wir uns Petticoats und den Sonntagsanzug. Wenn wir ausgingen, machten wir uns besonders chic, gerade sonntags oder zum Konzert. Wir schonten unsere Sachen, denn sie mussten lange halten.
Für Plattenspieler oder Radio haben wir lange spart. Made in Germany war Qualität und die war teuer. Damit finanzierten wir deutsche Arbeitsplätze, aber wir erlebten noch richtige Freude über angeschaffte Dinge. Sie waren uns wertvoll und wurden auch so behandelt.

Fleisch oder Braten gab es nur am Sonntag. Bauer und Metzger verdienten damit noch Ihr Geld und wir hatten Vertrauen in diese Produkte und respektierten mit dem Preis die Arbeit die dahinter steckt. Klebefleisch, künstlichen Käse oder Fleischskandale kannten wir nicht. Wir kannten noch ehrbares Kaufmannsdenken.

Wir kannten weder Public Viewing noch Love-Parade. Heimat oder Schützenfest waren unsere großen Events im Jahreslauf. Wir waren begeistert und hatten Spaß, das war für alle ein Ereignis ohne das die Besucherzahlen verdreifacht werden mussten.

Wir freuten uns das ganze Jahr auf diese Tage und feierten mit Freunden. Selbst am Samstag konnten alle Kameraden am Festzug teilnehmen, die Laden-Öffnungszeiten erlaubten das noch.
Die Unternehmen schufen Firmenwohnungen, und Kindergärten. Wir bekamen Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld. Die Firmen verdienten und ließen uns teilhaben. Das änderte sich mit der 37 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich. Wir hatten jetzt pro Woche 10-11 Stunden mehr Freizeit, aber die Unternehmen 30% mehr Lohnkosten, denn wir bekamen den gleichen Lohn.

Zeit, Freizeit! Die Reisen gingen jetzt nicht mehr ins Sauerland oder in die Eifel. Die Adria lockte, später Mallorca und Übersee. Wir lernten Pizza kennen, Pommes und Döner, wir gingen während der Woche aus, verbrachten viel Zeit in Discos oder im Fitnessstudio. Für den Verein oder Vereinsarbeit blieb weniger Zeit, das machten jetzt die Anderen. Die Firmen schafften sich Computer an, die waren jetzt billiger als menschliche Arbeitskräfte.

Wir erlebten plötzlich Arbeitslose, einen Rückgang der Konjunktur und vermissten die gewohnten Tariferhöhungen. Das Geld wurde knapp, zu knapp um unsere vielen neuen Bedürfnisse zu erfüllen. Man fing an dort zu kaufen wo es billig war, der Niedrigpreis siegte und Qualität trat in den Hintergrund. Gewachsene Geschäfte verschwanden spurlos, multinationale Discounter übernahmen das Kommando. Viele traten aus der Kirche aus um zu sparen. Im Gegenzug wurden von der Kirche Kindergärten, Jugend und Freizeittreffs geschlossen. Nicht wenige Kinder standen auf der Strasse, denn Papa und Mama mussten für vieles arbeiten, was jetzt IN und erschwinglich geworden war.

Subwoofer, Ataris, Farb-TV und später Handy und PC – alles war jetzt zu haben. Unsere Geschäfte hatten noch deutsche Namen und die Inhaber kannten wir. Unsere Straßen waren festlich geschmückt, jeder packte mit an, die Geschäfte und Einzelhändler sponserten Fahnenschmuck, Preise und so manches andere, es war ein Miteinander.

Kleidung, für jeden Tag etwas Neues! Alles war recht billig und wurde in Asien produziert. Wir kauften, konsumierten und übersahen, dass bei uns plötzlich die Fließbänder stillstanden und Massenentlassungen die Folge waren. Um möglichst viel Güter zu erwerben mussten wir unser Geld bewusster einteilen.
Wir sahen uns als clever: ließen uns von Fachverkäufern beraten, aber kauften dort, wo es billiger war. Damit starben die Fachgeschäfte. Wir traten aus unserem Verein aus und verloren Freunde.

Entscheidung unwiederbringliche Lebenszeit dem Konsum zu opfern, zur Anschaffung von Dingen deren Notwendigkeit uns die Werbung suggeriert – das brauchten wir noch nicht. Wir hatten noch Zeit für Freunde und Familien. Und das war uns wichtig!

Wir kannten keine Praxisgebühr, keinen Eigenanteil beim Zahnarzt. Wir erlebten ein funktionierendes Gesundheitssystem, weil alle in Sozialsystem einzahlten. Die kostensparenden Minijobs entstanden erst mit der „Geiz ist geil“-Zeit weil alles immer billiger werden musste. Auch unsere Renten galten noch als sicher.

Selbst zu Weihnachten wussten wir noch Freude zu bereiten. Es gab noch viele Wünsche und Schenken war noch keine Pflicht. Das Weihnachtsfest war das Fest des Friedens und der Liebe und nicht der Suizide.

Heute träumen wir von einem ruhigen Lebensabend, von ausreichender Versorgung im Alter. Allerdings: wenn es so weitergeht, wenn wir weiter nur das konsumieren was billig ist, was ohne Respekt vor der Leistung Anderer erzeugt oder produziert wurde, auf Kosten Anderer oder auf Kosten der Gesundheit oder Qualität, dann dürfte die Realität bald so aussehen:
• knappe Grundrente für Jeden ab dem 70.ten Lebensjahr,
• unbezahlbare Kosten bei Krankheit,
• Praxisgebühr 10,- €uro bei jedem Arztbesuch,
• akuter Mangel an Pflegepersonal überall
• 6 Bett Zimmer im Altenheim….

Wenn das dein Ziel ist, dann überlege nicht und mach weiter wie bisher!!!!

Rene Krombholz

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