Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Dienstag 24.03.2020

Zwischen Fußball WM und Loveparade

Groß-Events wie Public Viewing oder die längste Tafel auf der A40 mit 2 Millionen Besuchern, prägen den Sommer 2010.


 Man staunt: statt in Zeiten leerer Kassen sparsam mit einer Kiste Bier gemütlich Daheim die Fußball WM zu verfolgen ,zieht es zigtausende zu Großbildwänden, wo man trotz Eintritt, unbequem stehend, die Spiele verfolgt.

Auch die Loveparade die mit dem entsetzlichen Unglück ein jähes Ende fand reiht sich in die Liste dieser Events ein.

Soziologen beschäftigen sich intensiv mit diesen Massenphänomen, dass dann auch wieder recht erklärbar wird: solche Events vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit, das Gefühl dabei zu sein, dazu zu gehören. Ein WIR Gefühl. Berührungspunkte, Ausstausch, Kontakte.
„Die Schönheit des Events ergibt sich aus dem Sozialen.“ schreibt dazu die Rheinische Post am 24.7.2010 – die Schönheit des Schützenwesens liegt im Miteinander ,welches ein Begriff ist ,der dieses Wir Gefühl, soziale Kontakte und Hilfsbereitschaft untereinander zusammenfasst, nichts anderes also!

Was fehlt, ist die Akzeptanz in der Bevölkerung. Während Public Viewing In ist, 2 Millionen Menschen zur A 40 und eine weitere Million zur Loveparade pilgern um dieses (schützenbekannte) Wir-Gefühl zu erleben, stehen Schützen nach wie vor als Trinker im Abseits. Ganz offensichtlich haben wir vergessen, das zu publizieren was uns ausmacht, was so faszinierend schön ist, das es Massen bewegt: das Wir-Gefühl.

Was tun? Wie können wir das ändern?

Aufklären, informieren, - Wer sind wir? Was tun und was wollen wir?
In Zeiten ,wo Jugendliche das Osterfest als Geburtstag des Osterhasen betrachten, wo 40% der Bevölkerung nicht weiß welchen Ursprung das Pfingstfest hat ,brauchen wir uns nicht wundern, wenn auch das Wissen um Ursprung und Tradition der Schützen fehlen. Die Menschen ( besonders in den Städten ) sehen Schützen feiern und marschieren – mehr wissen sie oft nicht. Das Schützenwesen steckt voller Werte und lebt diese, das macht sie wertvoll – aber wer weiß das schon? Aufklärung und Kontakt zur Öffentlichkeit sind hier wichtig.
Der St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf Bilk e.V 1475 zeigt, wie es auch gehen kann.
5.000 Broschüren mit dem Programm des Schützenfestes wurden kostenlos verteilt, inbegriffen zahlreicher Informationen zum Schützenwesen von den Ursprüngen bis zur heutigen (sozialen) Tätigkeit des Vereins.

neues Fenster: so kann eine Image-Broschüre aussehen! .

Öffnen, bewegen, - Partnersuche, Vertrauen aufbauen und festigen
Eine intensive Nachwuchsarbeit kommt hinzu, ebenso die Öffnung des Vereins zum Stadtteil. Der traditionelle „Möschesonntag“ (Biwak vor dem Schützenfest) wird nicht mehr in Vereinsheimen oder Gaststätten abgehalten, sondern publikumswirksam mitten im Ortsteil.
Die Folge hiervon ist ein langsames Umdenken in der Bevölkerung, der Schützenverein bekommt einen anderen Stellenwert.

Geben und Nehmen – gemeinsame neue Wege, neue Möglichkeiten
Erstaunlich was alles möglich ist! Zum Königinnentag in Rietberg waren es viele Dinge die mir positiv auffielen:
Das Fotogeschäft mit großen Königsbildern im Fenster
Der Textilhändler nicht nur Kleider sondern Abendkleider auf Schützen fixiert,
Das Restaurant mit dem „Königsmahl“ – Das Prinzengedeck in der Konditorei
Die Ausstellung „Königskleider“ im Kombination Schneiderin – Fotograf
Der Juwelier: Schmuck, dekoriert zu Bildern mit Königspaaren ... und viele mehr.

Von der Zusammenarbeit zwischen Schützenverein und Einzelhandel profitieren beide. Jede Art von Unterstützung / Sponsoring für die Schützen kostet den Unternehmen Geld – mit dem Signal „wir sind pro Schützenverein“ erschließen sie sich neues Kundenpotential und damit eine Re-Finanzierung. Der Schützenverein wiederum, kann hierbei helfen, indem Werbematerial zur Verfügung gestellt wird. Ein Schaufensterwettbewerb oder ein spezielles Angebot zum Schützenfest können prämiert werden. Beispielsweise mit einer kostenlosen Werbeanzeige in der Schützenzeitung, warum nicht auch mal unterstützende Unternehmen einladen? Solcher Möglichkeiten gibt es viele.

Wollen wir in der Zusammenarbeit ernst genommen werden müssen wir als Schützenverein auch etwas bieten. Uns sollten unter dem Oberbegriff der Heimatverbundenheit auch die ansässigen gewachsenen Handwerker und Geschäfte wichtig sein, sie sind es die uns unterstützen! Discounter, Geiz ist geil-Unternehmen oder multinationale Filialisten hingegen wollen eher nehmen als geben, hier zählt nur Gewinn!

Nur die Ausgewogenheit zwischen Geben und Nehmen führt zum langfristigen Erfolg und zur Qualität in einer Partnerschaft. Das Schützen sozial sind, viel geben, das wissen wir und sollten es kundtun. Gleichzeitig sollten wir aber auch das Verhältnis zu unseren ( ehemaligen, heutigen und künftigen) Sponsoren und Unterstützern auf die Waage legen. Geben wir auch oder nehmen wir eher? Übrigens: manchmal sollte man auch in Vorlage treten… !

Rene Krombholz







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