Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Montag 08.07.2019

525 Jahre Medebacher Schützen

Das Jubiläum einmal anders betrachtet


 

Medebach – das ist in Schützenkreisen eine feste Größe. Anfang August 2011 wurde – nach viel Vorarbeit- das 525jährige Jubiläum gefeiert.

Das was sich so einfach und nüchtern anhört, sollte man sich einmal durch den Kopf gehen lassen: gegründet 1486.. was für eine Zeit?!

Das Mittelalter ging zu Ende, Seuchen, Pest, Kriege und Hungersnöte, Jeanne d Arc als Jungfrau von Orleans, die Zeit der Hanse, der Fugger und der Medici’s. Amerika sollte erst Jahre später entdeckt werden. Hinter Europa lag eine schlimme und düstere Zeit, die Blütezeit der Ritter endete, übrig blieben versprengte Gruppen, Chaos und Anarchie. Plünderer und Raubritter durchzogen brandschatzend das Land und Schützengilden schützen die Heimat.

Die Königreiche Europas fast am Abgrund – gründeten sich (nicht nur, aber auch) in Medebach Schützengilden. Was zu dieser Zeit begann, war der Beginn des Zeitalters der Renaissance. Bedeutet „Wiedergeburt – Erneuerung“

Die Menschen erkannten das ein Denken des Mittelalters in eine Sackgasse führte – und griffen auf Denken und Werte, aber auch Wiederauflebens der Künste und der Wiedergeburt des antiken Geistes zurück.

Die Zeit um 1486 - die Epoche des „Humanismus“ stellte nach dem Niedergang die Werte und die Würde des einzelnen Menschen in den Vordergrund. Toleranz und Gewaltfreiheit als Wertbegriffe.

525 Jahre – liegen dazwischen. Wir leben heute in einer völlig anderen Zeit, trotzdem sollte man meinen: die Medebacher Schützengilde sei kürzlich erst gegründet worden.
Achtung und Respekt vor dem Anderen, spürbare Gastfreundschaft und Toleranz, das sind gelebte Werte, die den Medebacher Schützenverein in Europa so beliebt machen.

Ob im Düsseldorfer Landtag, in Kinrooi zum Europafest oder in Maien bei der EGS – man trifft sie überall, und überall bringen sie diese Denk und Lebensweise mit, die offenbar von der Medebacher Bevölkerung mit getragen und gelebt wird.

„Der Name Medebach wird bei uns, in der EGS, mit goldenen Buchstaben geschrieben“ sagte der Vizepräsident der EGS (Europäische Gemeinschaft historischer Schützen) Joost Verbeeten bei seiner Festrede und würdigt damit viel Engagement der Schützenstadt Medebach.

Die Medebacher Schützen bewahren nicht nur das Banner des EGS in Medebach auf, auch das Denken der EGS setzen sie vorbildlich um. Sie zeigen wie gelebte Tradition und Patriotismus aussehen sollten: Liebe zur Heimat, aber gleichzeitig offen für ein vereintes Europa.

Der NRW Landtagsabgeordnete Hubert Kleff überreichte Hauptmann Josef Schreiber die Ehrenplakette des Landes NRW, eine hohe Auszeichnung für dieses Brauchtum.
Kaiser wurde Helmut Müller, ein Urgestein der Medebacher Schützen.

Mit Rene Schnellen und Carina Wiese stellt der Verein ein außerordentlich junges Königspaar, was nicht verwundert: kann man doch auf eine gute und intensive Jugendarbeit zurückblicken. Überraschend aber das Engagement: als wir nach dem Fest – in den ersten Stunden des Montags noch Aufnahmen in der Festhalle machten, kreuzten sich die Blicke mit der Königin. Nein! bedeutete sie, und später nachgefragt: bitte keine Bilder die den Verein irgendwie in ein zwielichtiges Licht rücken könnten – zu so später Stunde könnte das theoretisch passieren – aber nur theoretisch, Carina, Rene und der ganze Hofstaat haben in der Gemeinschaft ihrer Kameraden und Kameradinnen ein tolles Bild abgegeben.

Ein grandioser Festzug, Tausende am Straßenrand die jubelten, viel könnte man noch schreiben über dieses Fest. Wir möchten an dieser Stelle Danke sagen – für viele Jahre Gastfreundschaft.
Das wollten wir auch mit dem Banner ausdrücken, welches wir im Festzug vor unserer Gruppe herführten. Als wir den Weg in Richtung Markt einschlugen und uns plötzlich alle Medebacher Schützen geschlossen applaudierten, es verschlug uns die Sprache.

Achtung und Respekt vor dem Anderen, spürbare Gastfreundschaft und Toleranz, den ganzen Zugweg entlang spürten wir das. Einfach Schön – aber nicht immer leicht auszuhalten.

Achtung und Respekt vor dem Anderen, spürbare Gastfreundschaft und Toleranz – Humanismus, die Werte und die Würde des einzelnen Menschen in den Vordergrund – das war vor 525 Jahren.

In der heutigen Zeit nicht weniger wertvoll als vor 525 Jahren, stellt sich lediglich die Frage, ob wir vielleicht wieder am Beginn einer neuen Zeit leben. Mit Blick auf die Unruhe dieser Zeit, auf Börse und Werte … nicht ausgeschlossen, die Zeit wird zeigen ob unser Denken des 20.Jahrhunderts wieder in eine Sackgasse führt..

Aber es gibt ja Schützen – wie die in Medebach


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