Als digitale Zeitschrift anerkannt: Deutsche Bibliothek Berlin - Frankfurt - München - ISSN: 2190-9881 - letzte Aktualisierung: Samstag 05.12.2020

Weiter gehts!

Antrag auf Anerkennung als Kulturerbe


Uns erreicht soeben folgende Pressemeldung der europäischen Gemeinschaft historischer Schützen (EGS)  

Die Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen (EGS) hält ihren Antrag auf Aufnahme in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ohne Veränderungen aufrecht. Dies hat das Präsidium auf seiner Sitzung am letzten Wochenende (21.02.2015) in Gent (Belgien) beschlossen.
Änderungen und Nachbesserungen wird es nicht geben, wohl aber Erläuterungen.

Präsident Charles Louis de Merode und Generalsekretär Peter-Olaf Hoffmann betonen: „ Unser Antrag ist umfassend und erfüllt alle Kriterien der UNESCO-Konvention. Deshalb wird es keine Überarbeitung des Antrags geben. Wir können nicht nachvollziehen, warum die Debatte um einen muslimischen Schützenkönig in Westfalen zu einem maßgeblichen Entscheidungskriterium führen und die Anerkennung auf Dauer verhindern soll."

Peter-Olaf Hoffmann: „Wir freuen uns auch sehr, dass der Deutsche Schützenbund (DSB), uns seine volle Unterstützung in diesem Anerkennungsverfahren zugesagt hat. EGS und DSB halten zum weiteren Fortgang des Verfahrens enge Verbindung und Erfahrungsaustausch. Auch der DSB ist Teil eines anerkennenswerten Schützenwesens."

Die nationale UNESCO-Kommission hatte den Antrag der europäischen Schützen zurückgestellt, weil sie in der Entscheidung des katholischen Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), die Mitgliedschaft in ihren Bruderschaften auf Mitglieder anerkannter christlicher Kirchen zu begrenzen, eine Einschränkung des „freien Zugangs" sieht. Der „freie Zugang" sei aber wesentlich für ein Kulturerbe. In ihrem Schreiben an die EGS hatte die UNESCO-Kommission den Schützen vorgeworfen, „biodeutsche" Maßstäbe anzulegen.

Das international besetzte EGS-Präsidium fühlt sich durch diesen Rassismusvorwurf diskriminiert und betont: „Ethnische Herkunft spielt im Schützenwesen keine Rolle, wie an einer Vielzahl von Beispielen belegt werden kann. Religiöse Bindung aber ist in dem Teil des Schützenwesens, der aus der katholischen Tradition erwachsen ist, durchaus ein Thema. Ein Thema, das in dem von der Kommission angeführten Beispiel im Übrigen so endete, dass der nicht-christliche Schützenkönig mit Billigung aller Beteiligten Schützenkönig blieb."

Für die katholischen Bruderschaften, die der EGS angeschlossen sind, gehört die christliche Ausrichtung zum Wesenskern. Ein Verzicht darauf kann nach Auffassung der EGS mit Blick auf die grundgesetzlich geschützte Freiheit der Religionsausübung nicht verlangt werden.

Das EGS-Präsidium erklärt hierzu. „Der christliche Bezug spielt nicht nur bei den heutigen Bräuchen und Traditionen eine wesentliche Rolle. Vielmehr sind die geschichtlichen Erfahrungen der konfessionell gebundenen Bruderschaften in der jüngeren deutschen Geschichte ebenfalls ein wesentlicher Teil des Traditionsverständnisses. Es war nämlich gerade das Bekenntnis zum christlichen Glauben Anlass für die Nationalsozialisten, auf breiter Front gegen die Bruderschaften vorzugehen und ihnen jegliche Betätigung zu verbieten, solange sie ihre konfessionelle Bindung nicht aufgeben."

Das EGS-Präsidium hebt die integrative Kraft des Schützenwesens hervor, dessen mehr als 700 Jahre alten Traditionen von weltlichen wie von christlichen Vereinigungen fortgeführt werden.
Präsident Charles Louis de Merode und Generalsekretär Peter-Olaf Hoffmann sind weiterhin optimistisch, dass ihr Brauchtum von der nationalen UNESCO-Kommission als immaterielles Kulturerbe anerkannt wird.

Sie haben ihre Argumente in einem umfänglichen Schreiben zusammen gefasst, das mit einem Gesprächsangebot endet und sie betonen: „Der Schutz des grundgesetzlich geschützten Rechts auf die Freiheit der Religionsausübung und die Pflege des christlichen Bekenntnisses in Schützenbruderschaften auf der Grundlage des damit verbundenen historischen Brauchtums des Schützenwesens ist für uns von unverzichtbarem Wert. Das sollte auch für die UNESCO-Kommission von schützenswerter Bedeutung sein.
Hinzu kommt, dass unser Antrag vielfältige Formen des Schützenwesens umfasst und nicht auf konfessionell gebundene Mitgliedsvereine beschränkt ist.

Unter dem Dach der EGS sind christlich und weltlich orientierte Schützenvereine vereint.
Insoweit bestehen auch für jeden, der Schütze ist oder werden möchte, vielfältige Möglichkeiten einem Schützenverein beizutreten und auch Schützenkönig zu werden.

Dormagen, 25. Februar 2015
Präsidium der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen
Peter-Olaf Hoffmann Generalsekretär